So, zweiter Anlauf, nachdem mein Blog kurzfristig die Grätsche gemacht hat und mir jetzt ein paar Postings fehlen (warum auch immer).

Beim Probenähen für die Jeans #sewclassic von Hilli Hiltrud kam die Frage auf, wie man die Hosentaschen so annähen kann, dass sie gleich weit von der Mittelnaht entfernt sind.

Dazu hatte ich vor längerer Zeit schon einmal etwas im Netz gefunden, aber leider nicht abgespeichert/gepinnt. Ein bisschen konnte ich mich noch erinnern, dass da was mit „Naht versetzen“ war. Also habe ich ausprobiert.

Wenn man die beiden Hinterhosen normal zusammennäht und dann neben der Naht noch einmal absteppt (egal jetzt, ob mit echter Kappnaht oder einfach nur doppelt abgesteppt), sind durch die dominanteren Steppnähte die Hosentaschen optisch nicht mittig:

Daher müssen die Steppnähte so verlaufen, dass die optische hintere Mitte genau dazwischen liegt.

Um das zu erreichen, wird die Schritt-Nahtzugabe des rechten Beines vergrößert (die Naht wandert nach rechts) und die des linken Beines entsprechend verkleinert (damit die Breite insgesamt gleich bleibt).

Echte Kappnaht

Bei einer echten Kappnaht steppe ich die zweite Naht füßchenbreit ab – das sind ca. 7mm. Die optische Mitte liegt genau dazwischen.

Also muss die erste Naht um die Hälfte (3,5mm) weiter nach rechts wandern. Dazu werden die beiden Hinterhosenteile an der Schrittnaht so übereinander gelegt (links auf links, für die echte Kappnaht), dass der rechte Hosenteil 3,5 mm weit vorsteht:
Nun kann aber nicht mehr mit der normalen Nahtzugabe (hier 1,6 cm) genäht werden – je nachdem, an welcher Schnittkante man sich orientiert, wäre sie dann insgesamt entweder zu groß oder zu klein.

Nachdem ich mich immer an der weiter außen liegenden Schnittkante (in diesem Fall die des rechten Hosenteils) orientiere, ist meine neue Nahtzugabe 17,75 mm (so circa, ganz genau geht das eh nicht).

Solltest du mit anderen Werten arbeiten:

Die neue Nahtzugabe = normale Nahtzugabe plus die Hälfte des Überstandes

Damit ich mich bei so krummen Werten an einer Linie auf der Nähmaschine orientieren kann, stelle ich mit Hilfe eines Maßbandes oder Handmaßes die Nadel entsprechend nach links:(Hier orientiere ich mich z.B. an der Linie für die normale Nahtzugabe, also an 5/8″.)

Jetzt zunächst die erste Naht nähen, wenn du – wie ich – das Steppgarn nur im Oberfaden hast, muss hier beim Nähen das rechte Hosenbein oben liegen.

Dann die Nahtzugabe des linken Hosenteils kürzen (und ev. auch ein kleines Bisschen die des rechten Hosenteils, weil die ja jetzt größer ist):

Und schließlich die längere (rechte) Nahtzugabe rund um die kürzere klappen (für eine echte Kappnaht halt) und füßchenbreit absteppen.

Jetzt sollten die beiden Hosentaschen (die du vor dem ganzen Prozedere schon angenäht hast) gleich weit von der optischen hinteren Mitte entfernt sein (oder zumindest annähernd, wie bei mir):

Fake Kappnaht

Bei der Fake Kappnaht, wo zuerst links auf links genäht und dann zweimal von rechts abgesteppt wird, funktioniert das natürlich auch.

Auch hier liegt die optische Mitte zwischen den zwei Steppnähten, allerdings noch weiter von der Mittelnaht entfernt:

Am besten machst du ein kleines Probestück aus Stoffresten, an dem du messen kannst.

Bei mir sind das 5mm. Das ist wieder das Maß, um das das rechte Hosenteil weiter vorstehen muss beim Zusammennähen:

Genäht wird hier links auf links, die Nahtzugabe (ausgehend von der weiter außen liegenden Schnittkante am rechten Hosenteil) ist wieder um den halben Überstand größer als die normale Nahtzugabe.

Bei mir sind das 1,6cm (normale Nahtzugabe) plus 2,5 mm (halber Überstand).

Zusammennähen und zweimal – mit den selben Abständen wie beim Probestück – absteppen.

Viel Spaß beim Nachnähen!

Das Schnittmuster zur Hose gibts übrigens ab morgen bei Hilli Hiltrud. Da zeige ich euch dann auch die fertige Hose!